Die elf Inhaltsstoffe von GLP Formula: Herkunft, Chemie, Forschungsstand

Das Etikett von GLP Formula führt elf Inhaltsstoffe auf: ein Spurenelement und zehn Pflanzenextrakte. Jeder davon hat eine eigene Herkunft — eine Pflanze aus einer bestimmten Weltregion, einen chemischen Hauptbestandteil, oft jahrzehntelange Laborarbeit. Was über die einzelnen Bestandteile bekannt ist, steht hier, jeweils zusammen mit der Menge, die tatsächlich in einer Kapsel steckt.

Chrom: das Spurenelement, über das die Fachwelt bis heute diskutiert

Chrom tritt in zwei Wertigkeiten auf, und die haben chemisch wenig gemeinsam. Sechswertiges Chrom ist ein Industrieschadstoff. Dreiwertiges Chrom dagegen — die Form in Lebensmitteln und in einer Kapsel GLP Formula (100 µg) — ist ernährungsphysiologisch relevant. Bei anorganischen Chromsalzen liegt die Aufnahme im Bereich von unter einem Prozent, weshalb Chrom in Nahrungsergänzungsmitteln meist als organisch gebundenes Chelat eingesetzt wird: hier als Chrom(III)-picolinat, dessen Verwendung die EFSA in einer eigenen Stellungnahme bewertet hat (EFSA Journal 2010;8(12):1883).Über den Status von Chrom ist sich die Fachwelt bis heute nicht einig. Die EFSA fand 2014 keine ausreichende Datengrundlage für einen Referenzwert zur Zufuhr (EFSA Journal 2014;12(10):3845), und John B. Vincent, einer der profiliertesten Chrom-Biochemiker, argumentierte drei Jahre später ausdrücklich gegen die Einstufung als essenzielles Spurenelement (Vincent, The Journal of Nutrition 2017;147(12):2212–2219). Unabhängig von dieser Debatte ist Chrom der einzige Inhaltsstoff der Rezeptur, für den die EU gesundheitsbezogene Angaben zugelassen hat:
  • Chrom trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutzuckerspiegels bei.
  • Chrom trägt zu einem normalen Stoffwechsel von Makronährstoffen bei.

Grüntee-Extrakt: 77 Milligramm einer Substanz mit eigener EU-Verordnung

Die Blätter von Camellia sinensis enthalten eine Gruppe von Polyphenolen, die Katechine, von denen Epigallocatechin-3-gallat (EGCG) den größten Anteil ausmacht. Eine Kapsel enthält 154 mg Extrakt mit 77 mg EGCG.Zur Aufnahme von EGCG gibt es Daten aus Studien am Menschen: In einer Dosis-Eskalationsstudie mit gesunden Freiwilligen untersuchten Forscher, wie der Körper einzelne EGCG-Gaben aufnimmt und wieder abbaut (Ullmann et al., Journal of International Medical Research 2003;31(2):88–101). Praktische Folgen hatte vor allem die EFSA-Bewertung von 2018. Sie grenzte hochdosierte Katechine aus Extrakten von solchen aus dem Aufguss ab und beschrieb bei Tagesmengen ab 800 mg EGCG aus Nahrungsergänzungsmitteln ein Signal für die Leber (EFSA Journal 2018;16(4):5239). Diese Bewertung führte direkt zur Verordnung (EU) 2022/2340, die Kennzeichnung und Warnhinweise für grünteehaltige Erzeugnisse verbindlich regelt — einer der wenigen Fälle, in denen ein Pflanzenextrakt eine eigene EU-Verordnung erhalten hat.

Apfelessig: zwei Fermentationen, eine sehr alte Küchengeschichte

Essig entsteht in zwei Schritten. Zuerst vergären Hefen den Fruchtzucker zu Ethanol. Danach machen Essigsäurebakterien der Gattung Acetobacter daraus Essigsäure. Die trübe Schicht, die sich dabei bildet, kennt man als „Essigmutter“ — ein Cellulosegeflecht, das diese Bakterien selbst bilden.Essig gehört zu den ältesten haltbar gemachten Lebensmitteln überhaupt. Babylonische Tontafeln erwähnen ihn, und die Mischung aus Essig und Honig, Oxymel, taucht in der antiken griechischen Heilmittellehre auf und Jahrhunderte später im amerikanischen Kolonialgetränk Shrub. Enthalten sind 150 mg — als getrocknetes Pulver, nicht als Flüssigessig.

Berberin: der gelbe Farbstoff mit dem größten pharmakokinetischen Rätsel

Berberin ist ein Isochinolin-Alkaloid und ein intensiver gelber Farbstoff. Berberitze, Chinesischer Goldfaden (Coptis chinensis) und Kanadische Gelbwurz enthalten es, und über Jahrhunderte wurde es genau dafür genutzt: zum Färben von Wolle und Leder.Pharmakologisch gibt Berberin bis heute ein Rätsel auf. Im Rattenmodell liegt die Bioverfügbarkeit trotz guter Aufnahme im Darm unter einem Prozent — ein Großteil wird bereits in der Darmwand abgebaut, der Rest verteilt sich rasch in die Leber (Liu et al., Drug Metabolism and Disposition 2010;38(10):1779–1784). Ein zweiter Punkt betrifft den Alltag direkter: Ein Übersichtsartikel von 2025 trägt zusammen, wie Berberin auf Cytochrom-P450-Enzyme wirkt (Bathaei et al., Naunyn-Schmiedeberg’s Archives of Pharmacology 2025;398(1):179–202). Auf dieser Datenlage fußt der Wechselwirkungshinweis zu den enthaltenen 85 mg auf der Startseite.

Ingwer: wenn Trocknen die Schärfe chemisch umbaut

Der Wurzelstock von Zingiber officinale verdankt seine Schärfe den Gingerolen, vor allem dem 6-Gingerol. Beim Trocknen und Erhitzen spalten diese Moleküle Wasser ab und wandeln sich in Shogaole um — weshalb getrockneter Ingwer anders schmeckt als frischer. Diese Substanzklasse ist chemisch gut beschrieben (Semwal et al., Phytochemistry 2015;117:554–568). Die Rezeptur enthält 50 mg.

Zimt: warum die Art auf dem Etikett zählt

Im Handel gibt es zwei Zimtsorten: Ceylon-Zimt (Cinnamomum verum) und Cassia-Zimt (Cinnamomum cassia), der hier mit 20 mg Rinde enthalten ist. Beide liefern Zimtaldehyd als Hauptkomponente des ätherischen Öls, unterscheiden sich aber im Cumaringehalt, der bei Cassia um ein Vielfaches höher liegt.Cumarin ist toxikologisch gut untersucht. Aus den Daten am Menschen leiteten Fachleute eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge von 0,1 mg pro Kilogramm Körpergewicht ab (Abraham et al., Molecular Nutrition & Food Research 2010;54(2):228–239). Für einen Erwachsenen mit 60 kg sind das 6 mg täglich. Die in 20 mg Cassia-Rinde enthaltene Cumarinmenge liegt bei einem Bruchteil davon.

Bitterorange: Marmelade, Parfüm und ein Protoalkaloid

Citrus aurantium ist die Sevilla-Orange — zu bitter zum Rohessen, aber die Grundlage der englischen Orangenmarmelade und, über ihre Blüten, des Neroliöls in der Parfümerie. Ihre Schale steckt in Triple Sec und Curaçao.Pharmakologisch relevant ist p-Synephrin, ein Protoalkaloid mit struktureller Ähnlichkeit zum Ephedrin. An den Rezeptoren verhält es sich allerdings anders. Analytisch haben Forscher die Phenethylamin-Alkaloide der Frucht per Chromatographie und Elektrophorese im Detail bestimmt (Pellati & Benvenuti, Journal of Chromatography A 2007;1161(1–2):71–88). Fachleute des Bundesinstituts für Risikobewertung haben Synephrin in Nahrungsergänzungsmitteln zudem einer eigenen Risikobewertung unterzogen (Bakhyia et al., Bundesgesundheitsblatt 2017;60(3):323–331). Enthalten sind 20 mg Fruchtextrakt; der daraus abgeleitete Hinweis zur Kombination von Synephrin und Koffein steht auf der Startseite.

Cayenne: der Rezeptor, für den es einen Nobelpreis gab

Die Schärfe von Capsicum annuum stammt von Capsaicinoiden, deren Schärfe sich seit 1912 in Scoville-Einheiten angeben lässt. Wie Capsaicin überhaupt als Schärfe wahrgenommen wird, klärte sich erst 1997: Die Arbeitsgruppe um David Julius klonierte den Rezeptor TRPV1, einen Ionenkanal, der sowohl auf Capsaicin als auch auf Hitze reagiert. Julius erhielt dafür 2021 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Die Rezeptur enthält 20 mg Fruchtextrakt.

Banaba: ein philippinischer Baum mit einem Triterpen im Blatt

Lagerstroemia speciosa ist ein Baum mit auffällig violetten Blütenrispen. Auf den Philippinen heißt er Banaba, und seine Blätter werden dort seit Langem als Tee aufgegossen. Phytochemisch interessieren vor allem zwei Substanzgruppen: Corosolsäure, ein pentazyklisches Triterpen, und Ellagitannine. Enthalten sind 5 mg Blattextrakt.

Ginseng: Kraut statt Wurzel — ein Unterschied, der in der Analytik sichtbar wird

Bei Panax ginseng gilt traditionell die Wurzel als das wertvolle Pflanzenteil. Stängel und Blätter enthalten jedoch ebenfalls Ginsenoside, und zwar in anderer Zusammensetzung als die Wurzel (Zhang et al., Journal of Ginseng Research 2021;45(1):163–175). In Korea und China werden Blätter seit Langem als Tee aufgegossen. Enthalten sind 5 mg Ginsengkraut, ausdrücklich nicht Wurzel.

Resveratrol: berühmt geworden durch Rotwein, gewonnen aus Staudenknöterich

Resveratrol gehört zu den Stilbenen. Pflanzen bilden es zur Abwehr. Bekannt wurde es Anfang der 1990er Jahre durch das sogenannte französische Paradox und den Resveratrolgehalt von Rotwein. Kommerziell stammt es heute fast ausschließlich aus dem Japanischen Staudenknöterich (Polygonum cuspidatum), der es in weit höherer Konzentration enthält als Traubenschalen.Wie der Körper Resveratrol verarbeitet, ist gut dokumentiert — und ungewöhnlich: Etwa 70 Prozent werden aufgenommen, doch der Stoff wird so schnell umgebaut, dass er kaum unverändert im Blut ankommt (Walle et al., Drug Metabolism and Disposition 2004;32(12):1377–1382). Enthalten ist 1 mg.

Chrom trägt die Aussage, die Pflanzen das Profil

Von den elf Bestandteilen hat die EU für einen gesundheitsbezogene Angaben zugelassen: für Chrom — und mit 100 µg je Tagesdosis liegt die Rezeptur beim Zweieinhalbfachen des Nährstoffbezugswerts. Die zehn Pflanzenextrakte stehen für etwas anderes: für ein botanisches Profil aus Ostasien, dem Mittelmeerraum und Südostasien, mit einer Forschungs- und Küchengeschichte, die sich sehen lassen kann. Zugelassene Angaben nach Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 gibt es für sie nicht; ein Teil der Anträge zu Pflanzenstoffen liegt seit Jahren im sogenannten On-hold-Status. Deshalb beschreiben wir sie hier — Herkunft, Chemie, Forschungsstand — statt etwas zu versprechen.

Zwei Hinweise zum Lesen der verlinkten Arbeiten. Grundlagenforschung an Einzelsubstanzen arbeitet meist mit isolierten, hohen Dosen, weil sie Mechanismen sichtbar machen soll; ein Nahrungsergänzungsmittel bewegt sich in der Größenordnung der täglichen Ernährung. Und ein Teil der pharmakokinetischen Daten stammt aus Tiermodellen, lässt sich also nicht eins zu eins übertragen. Beides steht hier, weil es zur Sache gehört — und weil Sie jede Menge auf dieser Seite ohnehin nachrechnen können.

Die vollständige Deklaration mit allen elf Mengen, die Einnahmehinweise und die Hinweise zu Wechselwirkungen stehen auf der Startseite von GLP Formula.


ℹ️ Zu den Quellen: Alle Verweise führen über PubMed-Identifikatoren, DOI oder den europäischen Rechtsakt-Permalink direkt zur Originalarbeit. Die zugelassenen Angaben zu Chrom sind im EU-Register gesundheitsbezogener Angaben nachlesbar. Stand: 25. August 2026.